Aktuelles aus der August-Horch-Schule
21.12.16 07:53 Alter: 129 days

August-Horch-Schüler aus Andernach besuchen Polen

Von: Ruth Schreckenberg

Unsere internationale Gruppe macht Station auf einer Apfelplantage.

Im Rahmen des Erasmus+ Programmes trafen im Oktober Schüler der Berufsoberschule II ihre Partner aus sechs Ländern in der polnischen Stadt Konskie, rund 100 km südwestlich von Warschau gelegen. Die einwöchige Begegnung stand unter dem Projekttitel „APPLES – Applied Pupils Project for Learning Entrepreneurial Skills“, wobei jede Partnerschule eine Abteilung in unserem „multinationalen Unternehmen“ verkörpert und entsprechende Aufgaben übernimmt.

In den vorausgegangenen Treffen stand in Kroatien, z. B. die Produktion und Veredelung von Äpfeln im Vordergrund, in unserer „Marketingabteilung“, dem Partnergymnasium in Vilnius/Litauen, die Verpackung und Vermarktung von selbsterzeugten Apfelprodukten.

Im Konskier Marie-Curie-Gymnasium, unserer Personalabteilung, drehte sich diesmal die Arbeit in internationalen Gruppen v. a. um die Schwerpunkte Bewerbung und Vorstellungsgespräch, Gesundheit am Arbeitsplatz, Stressbewältigung und gesunde Ernährung. In Videos, Faltblättern und auf Plakaten stellten die Schüler dann den anderen Gruppen sowie den Lehrern und der Schulleitung ihre Produktergebnisse vor – und das alles auf Englisch!

Abgerundet wurde der Aufenthalt durch einen Tag in Warschau, eine Fahrt auf der „Apfelroute“ nach Sandomierz, Renaissancekleinod, ehemalige Königsstadt und Handelsknotenpunkt an der Weichsel. Unsere Fremdenführerin wies uns darauf hin, dass es einen sehr schönen neuen Fernradweg entlang des Flusses von der Quelle in den Schlesischen Beskiden bis zur Mündung in Danzig gäbe und nach den Polen selbst die zweitgrößte Zahl von Touristen aus Deutschland käme. Auf der Rückfahrt machten wir noch Halt in Kielce, dem barocken Zentrum der Wojewodschaft Swietokrzyskie, bevor wir dann wieder in unserer Partnerstadt eintrafen.

Unsere Schüler, die wie ihre Kollegen aus den anderen sechs Partnerländern, alle in Familien untergebracht waren, sind begeistert von Land und Leuten. Alle Familien sind sehr herzlich, überaus gastfreundlich und interessiert. So meint Simon Runge: „Mich haben diese zwischenmenschlichen Erfahrungen am meisten beeindruckt und geprägt. Innerhalb einer Woche hat sich eine starke Bindung aufgebaut. Eine Unterbringung im Hotel ist daher keine Alternative“ und Sabrina Könntgen: „Polen ist ein sehr interessantes Land, mit tollen Gebäuden und Sehenswürdigkeiten, die Landschaft ist eine ganz andere als in Deutschland. Schwerpunkte werden anders gesetzt, so wird in Polen beispielsweise mehr auf Sauberkeit geachtet“.

Diese Eindrücke können wir als Lehrer nur bestätigen. Der Aufschwung ist überall zu spüren und steht im unmittelbaren Zusammenhang mit dem blauen Sternenkranz der EU-Kofinanzierungsschilder, deren Fördermittel hier unmittelbar zur Verbesserung der Lebensqualität der Bürger investiert werden: fast alle historischen Gebäude der von uns besuchten Innenstädte sind wunderbar renoviert und strahlen, Fußgängerzonen wurden völlig barrierefrei und durch unterschiedliche Pflasterornamentik auch optisch sehr ansprechend gestaltet. Es gibt viele „grüne Inseln“ mit Sitzgelegenheiten (abends sogar mit „Lesebeleuchtung“) und Spielplätzen, die öffentlichen Parks und Grünflächen sind gepflegt. Nirgends sind Spuren von Vandalismus zu bemerken, es verunzieren keine Schmierereien die Fassaden und es gibt keinerlei Vermüllung des öffentlichen Raumes.

„Ich fühle mich auch als Europäerin“, meint Natalia Stawica, eine Schülerin, die in Deutsch ihre Abiturprüfung ablegen wird und bereits mehrmals Preisträgerin des Goetheinstitutes war, „aber zuerst bin ich Polin und glücklich, hier zu leben“.

Die Europäische Union wird von ihr wie von vielen anderen Polen v.a. aufgrund der beruflichen und wirtschaftlichen Perspektiven und auch der gewährten Strukturhilfen grundsätzlich positiv bewertet. Daher betrachten unsere Lehrerkolleginnen den „Brexit“, aber auch die „Flüchtlingspolitik“ unserer Regierung mit großer Sorge. Sie befürchten, dass viele der im Ausland lebenden Polen ihren Arbeitsplatz verlieren und in ihre Heimat zurückkehren müssen, entweder durch die restriktivere Migrationspolitik der britischen Regierung oder durch den zunehmenden Verdrängungswettbewerb in Deutschland, was die Arbeitslosigkeit in der Heimat nach oben treiben könnte. Aber auch die Pläne der eigenen Regierung wurden thematisiert, so z. B. im Hinblick auf das Abtreibungsrecht und die Absicht, in den weiterführenden Schulformen das Fach Geschichte zu Lasten der naturwissenschaftlichen Fächer auf sechs Stunden pro Woche heraufzusetzen.

„Ich bin froh, dass ich diese Möglichkeit wahrnehmen konnte, weil jeder sollte mal eine Erfahrung wie diese machen“ meint Tim Theisen, eine Meinung, die auf die Zustimmung aller Teilnehmer.